Freunde des Sechz'ger Stadions e.V.

Aktuelle Anmerkungen zur Diskussion um einen bundesligatauglichen Ausbau des Sechz'ger Stadions

Nachdem OB Ude zur Delegiertenversammlung des TSV 1860 im November 2009 eine dreimonatige Frist eingeräumt hatte, um Pläne für einen profitauglichen Umbau des Grünwalder Stadions zu entwerfen, machte sich die Stadionkommission der Löwen an die Arbeit, um die Fragen von Baurecht, Sicherheits- und Brandschutzauflagen, Verkehrskonzept und Lärmschutz für den Standort Grünwalder Stadion zu klären. Darüber hinaus sollte ein Finanzierungskonzept entwickelt werden und die Möglichkeiten des Ausstiegs aus der Allianz-Arena erörtert werden.

Gute Gespräche mit den städtischen Referaten - Desaster bei der Vorstellung der Ergebnisse beim OB

Die mit 1860-Mitgliedern aus der Bau- und Immobilienbranche besetzte Stadionkommission zog nun auch externe Planer und Gutachter hinzu: Für die architektonischen Entwürfe wurden Prof. Josef Schwarz (Berater des DFB in Sachen Stadionbau) und Prof. Andreas Theilig gewonnen, zudem standen nun anerkannte Fachleute für die Gutachten in den Bereichen Verkehrsplanung (Dipl. Ing. Michael Hollerith), Brandschutz (Büro hhpberlin, Gutachter beim Bau der Allianz Arena und des Berliner Olympiastadions), Schallschutz (Büro Möhler + Partner) und Naturschutz (Büro Jestaedt + Partner) zur Verfügung. Zur juristischen Beratung wurde mit Prof. Michael Hauth ein namhafter Münchner Fachanwalt für öffentliches Baurecht hinzugezogen. Zusammen mit den Fachplanern traf sich die Projektgruppe in den ersten Monaten des Jahres 2010 mit den wichtigsten städtischen Ansprechpartnern (Planungsreferat/ Lokalbaukommission Kreisverwaltungsreferat, Polizeipräsidium, Branddirektion, Münchner Verkehrsgesellschaft MVG, Umweltreferat) zu Gesprächen. Die meist auf Referentenebene geführten Gespräche verliefen in einem sehr konstruktiven und entgegenkommenden Dialog, wie die in der Projektgruppe vertretenen Mitglieder der Freunde des Sechz'ger Stadions e.V., Architekt Roman Beer und Dr. Markus Drees, bestätigen konnten.Natürlich gab es gerade von der Lokalbaukommission (Baurecht) einige Skepsis, aber die Stadion-Projektgruppe des TSV 1860 verspürte nie ein Anzeichen, welches das Vorhaben völlig aussichtslos erscheinen hätte lassen.

Am 23. März 2010 gab es dann das Zusammentreffen der Stadtspitze mit den Vertretern der Löwen (Präsidium mit Rainer Beeck, Franz Maget, Dr. Michael Hasenstab, Geschäftsführer Manfred Stoffers, Projektgruppenleiter und Aufsichtsrat Christian Waggershauser), verstärkt mit den Architekten Prof. Josef Schwarz und Prof. Andreas Theilig, Rechtsanwalt Prof. Michael Hauth sowie dem Ersteller des Finanzierungskonzepts, Unternehmensberater Ullrich Ströhlein. Von Seiten der Stadt waren neben OB Christian Ude und 3. Bürgermeister Hep Monatzeder auch der für den Sport zuständige stellvertretende Schulreferent Dr. Josef Tress, der Leiter der Lokalbaukommission, Cornelius Mager, Umweltreferent Joachim Lorenz sowie Kämmerer Ernst Wolowicz anwesend. 1860 hatte neben den Plänen, Visualisierungen (siehe Abb.) und Fachgutachten für den bundesligatauglichen Umbau des Stadions auch ein Architektur-Modell mitgebracht.




Der Stadionentwurf fand ebenso wie die Tatsache, dass die Sechz'ger (scheinbar überraschenderweise) etwas Seriöses zu Papier gebracht hatten, lobende Worte von OB Ude. Allerdings war das Konzept wohl doch vergebene Liebesmühe, weil der OB die seiner Meinung nach wichtigsten drei Fragen nicht hinreichend beantwortet sah: Die Ausstiegsmodalitäten aus dem Vertrag mit der Allianz-Arena (also dem FC Bayern) waren noch nicht abschließend geklärt. Das Finanzierungskonzept sah eine städtische Bürgschaft in Höhe von bis zu 35 Mio. Euro vor, die allerdings laut den Vereinsvertretern nach menschlichem Ermessen nie zum Tragen gekommen wäre. Laut OB Ude und dem Stadtkämmerer wäre eine derartige Bürgschaft, die ähnlich wie direkte Zuschüsse bei Stadionbauten in anderen Städten allerdings üblich ist, aus EU-rechtlichen Gründen nicht möglich. Außerdem war laut OB Ude klar, dass es sich bei dem vorliegenden Entwurf um einen Neubau im Sinne des Baurechts handeln würde, der somit in dieser Lage nie genehmigungsfähig wäre. Seltsam allerdings war, dass diese Aussage ohne eingehende Prüfung des Sachverhalts allein aufgrund der zweistündigen Präsentation bei der Stadtspitze getätigt wurde. Eine Präsentation des Entwurfs und eine baurechtliche Diskussion zwischen dem Anwalt der Löwen und der Lokalbaukommission hatte nämlich im Vorfeld nie stattgefunden. Gerade an der Baurechtsfrage lässt sich ableiten, dass die Stadt keinen großen Willen hatte, den Sechzgern das Grünwalder Stadion zur Verfügung zu stellen, um ihrem Arena-Problem (für 1860 zu groß und zu teuer) zu entkommen. Die Stadt stellte in einer eiligst veröffentlichten Pressemitteilung klar, dass der ursprüngliche Plan der Sanierung des Giesinger Stadions für 10,28 Millionen Euro und dessen Betrieb als reines Amateurstadion weiter verfolgt wird und es dort langfristig keinen Bundesligaspielbetrieb mehr geben wird.

Reaktion der FDS: Stadt verpasst zukunftsweisendes Projekt

Der 1. Vorsitzende des Vereins "Freunde des Sechz'ger Stadion" (FDS), Roman Beer, stellte klar, dass die der Stadt vorgelegte Machbarkeitsstudie durchaus ein zukunftsweisendes Konzept gewesen wäre: "Die Stadien der Zukunft werden nicht mehr am Stadtrand sein, sondern als Teil einer urbanen Stadtlandschaft mit einem durchdachten Konzept in bestehende Viertel integriert. München hätte Vorreiter sein können und hat nun eine historische Chance verpasst."

Am 16. April 2010 wurden in einer gemeinsamen Veranstaltung von Pro1860 und FDS die vorerst gescheiterten Stadionpläne der interessierten Fanöffentlichkeit in der Stadionwirtschaft im Sechz'ger Stadion vorgestellt. Rund 150 Zuhörer lauschten den Ausführungen der Stadionskommissionsmitglieder, darunter Architekt Prof. Schwarz sowie das Präsidiumsmitglied Dr. Hasenstab. Es wurde weiter betont, dass diese Pläne durchaus verwirklichbar wären. Außerdem wurde nochmals die rigide Ablehnung durch die Stadt kritisiert, denn gerade für die Planung der Finanzierung hätte man anstelle der vorhandenen drei Monate mindestens ein Jahr benötigt.