Freunde des Sechz'ger Stadions e.V.

Giesinger Stadionzeitung

Die Ausgaben der Giesinger Stadionzeitung zum Download
  • Ausgabe 1: 1860 - Unterhaching Download (PDF, Dateigröße 830 kB)
  • Ausgabe 2: 1860 - Eintracht Trier Download (PDF, Dateigröße 927 kB)
  • Ausgabe 3: 1860 - Duisburg Download (PDF, Dateigröße 949 kB)
  • Ausgabe 4: 1860 - Eintracht Trier (Pokal) Download (PDF, Dateigröße 392 kB)
  • Ausgabe 5: 1860 - Burghausen Download (PDF, Dateigröße 876 kB)
  • Ausgabe 6: 1860 - Oberhausen Download (PDF, Dateigröße 0,99 MB)
  • Ausgabe 7: 1860 - Greuther Fürth Download (PDF, Dateigröße 0,99 MB)
  • Ausgabe 8: 1860 - Erzgebirge Aue Download (PDF, Dateigröße 968 kB)
  • Ausgabe 9: 1860 - Saarbrücken Download (PDF, Dateigröße 907 kB)
  • Ausgabe 10: 1860 - Essen Download (PDF, Dateigröße 991 kB)
  • Ausgabe 11: 1860 - Aachen Download (PDF, Dateigröße 1,26 MB)
  • Ausgabe 12: 1860 - Ahlen Download (PDF, Dateigröße 1,13 MB)

Interviews aus der Giesinger Stadionzeitung

"Mit der Stimmung im Sechz'ger war ich sehr zufrieden!"
Auszüge aus dem Interview mit Meisterlöwe Manfred Wagner
(Ausgabe Nr. 3, 1860 - Duisburg)

Und was sagen Sie zur Stimmung im Sechz'ger?
Mit der Stimmung im Sechz'ger war ich sehr zufrieden, es hat mir beide male [1860 - Unterhaching und 1860 - Trier; Anm. d. Red.] super gefallen. Beim Haching-Spiel hatte ich den Eindruck, dass die Fans zu Beginn vor allem das Stadion gefeiert haben - zu Recht, wie ich finde. Schließlich ist das Stadion aufgrund seiner langen Tradition sehr wichtig für 1860. Die Mannschaft muss zuhause aber von Beginn an aktiver auftreten. Dann springt der Funke sofort auf die Zuschauer über und die Spieler können sich einer tollen Unterstützung sicher sein.

Werfen wir einen Blick zurück auf Ihre aktive Zeit. Was waren Ihre schönsten Erlebnisse im Sechz'ger?
Das Highlight war natürlich die Deutsche Meisterschaft 1966. Aber auch das Europa-Cup-Halbfinale gegen Turin 1965, von dem viele sagen, es wäre das dramatischte Spiel im Sechz'ger überhaupt gewesen, bleibt unvergessen. Die Begeisterung der Zuschauer im Sechz'ger war für uns schon mitreißend - und viele Gegner zeigten sich schwer beeindruckt von der Atmosphäre.

Nach dem Blick zurück ein Blick nach vorne: Wie bewerten Sie die Pläne der Stadt, das Sechz'ger abzureißen?
Das wäre eine unmögliche Entscheidung, die für mich nicht nachvollziehbar wäre. Man muss alles unternehmen, um das Stadion zu erhalten. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn sich die 1860-Aufsichtsräte Ude und Monatzeder für den Abriss des Sechz'gers entscheiden würden.

Manfred Wagner spielte von 1958 bis 1971 für den TSV 1860 und ist seit Jahren als Koordinator der 1860-Traditionsmannschaft tätig.


"Ich mag das Sechz'ger Stadion sehr gerne!"
Auszüge aus dem Interview mit Löwen-Trainer Rudi Bommer
(Ausgabe Nr. 5, 1860 - Burghausen)

Wie empfinden Sie die Stimmung im Sechzger-Stadion?
Das ist für die Spieler nicht einfach, weil sie das umsetzen wollen, was auf den Rängen verlangt wird und sich damit selbst unter Druck setzen. Sie müssen sich noch an die Atmosphäre gewöhnen, da sie ja von der letzten Saison noch ein sehr weitläufiges Stadion gewöhnt sind.
Persönlich mag ich das Sechzger Stadion sehr gerne, weil es so eng gebaut ist. Und wenn unsere Fans dann wieder so eine Stimmung machen wie zuletzt im Pokal gegen Trier...

Was sagen sie zu den Plänen der Stadt, das Sechzger abzureißen?
Von den Abrissplänen weiß ich zu wenig, um etwas dazu sagen zu können. Es wäre schade um das Sechzger Stadion, weil es halt so ein altes Ding ist. Ich mag es sehr gerne. Aber es ändert sich halt alles.

Rudi Bommer war seit Juli 2004 Trainer des TSV 1860.


"Die Rückkehr ins Grünwalder war absolut richtig."
Auszüge aus dem Interview mit 1860-Geschäftsführer Detlef Romeiko
(Ausgabe Nr. 6, 1860 - Oberhausen)

Die Heimspiele gegen den KSC und Dresden fanden im Olympiastadion statt. Gegen Dresden wurde die Zuschauerzahl 28.100 angegeben. Wie viele Freikarten waren denn darunter?
Es wurden 6.000 Freikarten ausgegeben. Wir waren aber auch alle erstaunt, dass 5.000 Dresdner mitgekommen sind. Daneben gehen natürlich auch die 11.500 verkauften Dauerkarten in die Zahl ein.

Die Spiele gegen Dresden und den KSC wurden wegen Sicherheitsbedenken der DFL ins Olympiastadion verlegt. Gab es nun überhaupt Ausschreitungen der Gäste-Fans?
Nein, es kam zu keinen Zwischenfällen.

Die Sicherheitsbedenken sind also widerlegt. Denkt man an eine Rückverlegung der Spiele gegen Cottbus, Frankfurt und Köln ins Sechz'ger?
Man kann sicher über alles reden. Die DFL wird sich von ihrem Entschluss aber kaum abbringen lassen.

Im Olympiastadion gab es schon in den letzten Jahren Freikarten, zudem wurden dort in der Bundesliga Karten zu Dumpingpreisen angeboten. Durch die Rückkehr ins Sechz'ger konnten Sie nun die Preise deutlich erhöhen. Wird es in der riesigen Allianz-Arena erneut Freikarten und Dumpingpreise geben?
Nein. Die Karten werden in der Allianz-Arena nicht billiger. Man hat im Olympiastadion mit allen Mitteln versucht, die Leute zu locken. Doch was billig ist, ist halt grundsätzlich nicht gut. Die Rückkehr ins Grünwalder war daher nach dem Abstieg absolut richtig.

Kann 1860 denn als Zweitligist die neue Arena überhaupt finanzieren? Oder besteht die Gefahr, völlig von den Bayern abhängig zu werden?
Wir können die Arena auch als Zweitligist stemmen. Schließlich werden die Baukosten hauptsächlich über gesicherte Einnahmen wie Vermarktung der Werbeflächen, Vergabe der Cateringrechte, Parkplatzerlöse, Vermarktung der Namensrechte und den gesamten Erlös aus der Logenvermietung finanziert. Es ist natürlich klar, dass die meisten Logen deshalb vermietet wurden, weil man dort den FC Bayern in der Champions League sehen kann.

Zurück zum Sechz'ger Stadion. Hat sich die Rückkehr finanziell rentiert?
Ja. Die ursprünglich von der Stadt veranschlagten Instandsetzungskosten in Höhe von 900.000 Euro konnten wir dank vieler hilfsbereiter Firmen auf 250.000 Euro reduzieren. Dieser Betrag wurde von Sponsoren übernommen. Nach Abzug der Entschädigung für die Olympiapark GmbH bleibt aber auf alle Fälle eine schwarze Null, wenn nicht sogar ein Gewinn durch den Umzug übrig.

Die Bedenken in Sachen Sicherheit und Verkehr scheinen auch widerlegt. Gegen Burghausen war eine DFL-Abordnung im Grünwalder, die sich mit den getroffenen Maßnahmen voll zufrieden zeigte. Auch die Verkehrssituation bereitet keine Probleme.

Das Stadion ist vom Abriss bedroht. Was tut 1860 dagegen?
Wir haben in einem Gespräch mit Vertretern der Stadt darauf hingewiesen, dass es für die Amateure und die A-Jugend in und um München nur einen tauglichen Spielort gibt: das Grünwalder. Diese Mannschaften werden sicher nicht in der Allianz-Arena oder im Olympiastadion spielen.

Detlef Romeiko ist Geschäftsführer der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA


"Zur Stadionfrage gehört mehr als das reine Spielerlebnis"
Interview mit Tom Fock, Sänger der Punk-Band "LustfingeR"
(Ausgabe Nr. 7, 1860 - Fürth)

Tom, beim 5:1-Sieg gegen Oberhausen stimmte die Westkurve Eueren Hit "Löwenmut" an. Was ist das für ein Gefühl für einen Musiker, wenn Massen seinen Song singen?
Man fühlt sich natürlich sehr geehrt. Der Song hat mittlerweile eine ganz andere Bedeutung für die Fans als in der Bayernligazeit, aus der er ja stammt. Dass die Fans von sich aus "Löwenmut" anstimmen, habe ich zum ersten mal beim UI-Cup-Spiel gegen Borisov erlebt.

Wie kamt Ihr eigentlich dazu, ein Lied über 60 zu schreiben, mit dem sich so viele Fans bis heute identifizieren können?
Ich bin durch meine Familie quasi als Sechzger zur Welt gekommen. Als wir mit unserer "blauen" Band dann erste Erfolge hatten, war es naheliegend, einen Song über 60 zu schreiben.

2001 habt Ihr Euch mit dem Song "Grünwalder Stadion" musikalisch in die Stadiondebatte eingemischt.
Ja, wobei der Song weder bei 1860 noch bei den Medien große Resonanz fand. Wir wollten eine Diskussion anstacheln, die damals wohl nicht genehm war. Ich war die ersten Jahre nach dem Umzug ins Olympiastadion bei allen Heimspielen. Irgendwann hat es mich aber nur noch gelangweilt. Selbst bei nur 10 000 Fans im Sechzger ist die Stimmung halt besser als bei 20 000 im Oly. Daher habe ich den Song damals voller Überzeugung geschrieben, weil für mich der einzig richtige Weg für 60 in einem eigenen Stadion liegt.

Im Song taucht folgende Textzeile auf: "Ein Stadion mit dem FCB, das tut in unseren Herzen weh. Doch wir werden niemals mit Euch geh'n, im Bayern-Dome werdet Ihr uns nie seh'n!" - gilt das für Euch heute immer noch?
Die Zeile hat immer noch bestand - auch wenn ich mir die Allianz-Arena sicher mal anschauen werde. Aber ich schätze, wenn nach den ersten Spielen die Anfangseuphorie dahin ist, wird dort der Zuschauerschnitt ähnlich trist sein wie im Olympiastadion. Zur "Stadionfrage" gehört für mich zudem mehr als das reine Spielerlebnis. Ich treffe heuer im Sechzger wieder so viele Bekannte, die ich im Oly jahrelang nicht mehr gesehen habe. Dieses ganze Drumherum, die Verwurzelung im Stadtteil gehören für mich einfach zum Fußball-Erlebnis dazu. Ich befürchte, dass es in der neuen Arena ähnlich langweilig wird wie im Oly.

Was wünscht Du Dir dann persönlich für die Zukunft von 1860?
Natürlich steht der sportliche Erfolg im Vordergrund. Ich fände es super, mal in der Champions League zu spielen. Aber 60 muss dabei seine Identität bewahren. Die Allianz-Arena mit ihrer Ausrichtung auf Komfort und Kommerz hat dabei für mich wenig mit dem bodenständigen Giesinger Verein 1860 zu tun - das passt nur zum FCB. Wenn 60 zukünftig bestehen will, muss ich für die nächste Fangeneration etwas eigenes bieten, ein Gegenbild zu den Roten. Und dazu gehört ein eigenes Stadion.

Tom Fock ist Sänger der Punk-Band LustfingeR


"Die Rückkehr ins Sechzger hat sich auf alle Fälle rentiert."
Auszüge aus dem Interview mit 1860-Präsident Karl Auer
(Ausgabe Nr. 12, 1860 - Ahlen)

Vor der Saison wurde die Rückkehr ins Sechzger Stadion beschlossen. Wie sind sie mit der Stimmung zufrieden?
Von Seiten der Fans hat für mich diese Saison alles gepasst. Es gab keine Ausschreitungen von gegnerischen Fans, die vor Saisonbeginn ja von manchem befürchtet wurden. Zum Abschied können wir eine sehr zufrieden stellende Bilanz der Rückkehr ziehen.

Es gab auch kritische Stimmen bezüglich des Sechzger Stadions. Hat sich die Rückkehr rentiert?
Ja, wobei ich immer gesagt habe, dass wir diesen Schritt nach dem bitteren Abstieg machen mussten. Ob es sich rentiert hat? Nun, wie es sportlich im Olympiastadion gelaufen wäre, bleibt hypothetisch. Für unsere Fans hat sich die Rückkehr wohl auf alle Fälle rentiert.

Was verbinden Sie persönlich mit dem Sechzger Stadion?
Ich habe seit meiner Kindheit über Jahrzehnte Spiele im Sechzger verfolgt und werde auch weiterhin, wenn es mir möglich ist, jedes Spiel unserer Amateure und A-Jugend auf Giesings Höhen besuchen.

Was war das für Sie schönste Spiel im Sechzger?
Ganz besonders in Erinnerung ist mir das Europa-Cup-Halbfinale gegen Turin 1965. Die Stimmung von damals ist wohl nicht mehr zu toppen. Die Zuschauerzusammensetzung war natürlich damals auch anders, alle im Stadion haben mit geschrieen und die Mannschaft angefeuert.

Das Stadion ist vom Abriss bedroht. Was tut 1860 für den Erhalt seiner traditionsreichen Heimat? Durch ein jährliches Freundschaftsspiel im Sechzger könnte das städtische Defizit beispielsweise gedeckt werden.
Ich habe kürzlich mit OB Ude gesprochen. Er sagte mir, dass die Abrisspläne derzeit nicht aktuell seien. Wir brauchen das Stadion weiterhin für die Amateur- und Jugendmannschaften. Mit der Renovierung im letzten Sommer haben wir das Stadion für die nächsten Jahre wieder auf Vordermann gebracht und zudem ein Zeichen zum Erhalt gesetzt. Wer guten Nachwuchsfußball im Sechzger sehen will, kann dies weiterhin tun. Und die Spiele unserer Amateure gegen Augsburg und Bayern haben zuletzt gezeigt, dass das Zuschauerinteresse dabei durchaus im vierstelligen Bereich liegen kann.


Interview mit Dr. Christian Blümelhuber
(Ausgabe Nr. 11, 1860 - Aachen)

Dr. Christian Blümelhuber ist Marketing-Lehrbeauftragter an mehreren Universitäten und Leiter einer internationalen Forschungsplattform der Ludwig-Maximilians-Universität München zur Erforschung und Beratung starker internationaler Marken.

Herr Dr. Blümelhuber, der frühere 1860-Präsident Wildmoser erklärte zu Beginn seiner Amtszeit: "Wir sind wie der FC Bayern, wir heißen nur anders". Viele Fans beklagen, 1860 sei unter Wildmoser zum "FC Bayern light" verkommen. Wie bewerten Sie Wildmosers Strategie und wie haben Sie persönlich das Bild des TSV 1860 in den letzten Jahren wahrgenommen?
Selbstverständlich ist der TSV 1860 ein bayerischer, ja ein deutscher Traditionsverein und in München so etwas wie der Gegenentwurf zum FC Bayern. Eine solche Polarisierung kann für beide Vereine - und jetzt spricht der Marketingexperte - nur dienlich sein. Das merkt man nicht zuletzt an der meist grandiosen Stimmung vor und während der Derbys.
Das heißt, dass die Sechziger natürlich in der Wahrnehmung der Fans nie ein FC Bayern München sein dürfen. Wenn es nun aber um die wirtschaftlichen und strategischen Belange sowie das Management geht, dann ist der FC Bayern für jeden deutschen Verein - und damit auch für den TSV 1860 - ein Vorbild. Dies darf aber nicht zu weit gehen, denn sonst werden die Vereine in ihrer Außenwirkung und dem Erlebnis austauschbar.

Welche Stärken liegen für Sie in der "Marke 1860" und wie könnten diese herausgestellt werden?
Die größte Stärke und das größte Potenzial jedes Profi-Vereins sind seine treuen Fans. Wenn diese weniger werden oder ihre emotionale Loyalität nachlassen sollte, droht Gefahr.

Welche Rolle spielt das Stadion für die "Marke Fußballklub"?
Fußball ist ein Gemeinschaftserlebnis von gleich gesinnten Fans. Dazu gehört, dass man sich von anderen, also den Gegnern, bewusst abgrenzt. Dieses Gemeinschaftsgefühl sollte und kann über die Atmosphäre eines "Hexenkessels" unterstützt werden. Das Olympiastadion war hier sicherlich nicht optimal.

1860 zieht im Sommer gemeinsam mit dem roten Lokalrivalen in die Allianz-Arena. Wie sehen Sie die Entwicklung des TSV 1860 in der Allianz-Arena?
Natürlich werden die Sechziger in der Allianz-Arena anfangs mehr Zuschauer haben. Alleine aufgrund des Besuchs derer, die den Fußball im Stadion erleben wollen und beim Lokalrivalen FC Bayern keine Karte mehr bekommen. Diese Zuschauer langfristig für den TSV 1860 zu begeistern, ist eine zentrale Herausforderung, die dem Verein im Optimalfall nützen könnte, seine Fanbasis zu erweitern.

Halten Sie den eingeschlagenen Weg der Löwen strategisch für richtig?
Die Allianz-Arena verzeichnet durch ihre grandiose Architektur deutliche Verbesserungen gegenüber dem Olympiastadion. Und die Architekten haben sich auch bemüht, Identifizierungsmöglichkeiten für beide Vereine zu schaffen, zum Beispiel über die Farbgebung der Hülle. Ob der Umzug der Löwen in die Allianz-Arena aus wirtschaftlichen und sportlichen Gründen notwendig ist, kann ich hier nicht bewerten. Grundsätzlich gilt für 1860 allerdings: Ein eigenes Stadion für die kämpfenden Underdogs, wo der Fan auch mal wortwörtlich im Regen steht und das raue Klima und die "Arbeit", den Kampf auf dem Platz spürt, kann die Allianz-Arena nicht ersetzen.


Auszüge aus dem Interview mit Löwen-Trainer Reiner Maurer
(Ausgabe Nr. 10, 1860 - Essen)

Sie haben viele Jahre selbst im Sechzger Stadion gespielt. Was waren die schönsten und kuriosesten Spiele?
Es gab viele faszinierende Spiele. Oft kamen ja 15.000 oder 25.000 Zuschauer zu Bayernliga-Spielen. Das kurioseste Spiel war sicher 1990 das 3:3 gegen Schweinfurt - auch wenn es leider ohne Happy End für uns blieb.

Schwingt beim Abschied vom Sechzger etwas Wehmut mit?
Ja, weil das Grünwalder ein sehr geschichtsträchtiger Ort ist. Die Allianz-Arena ist sicher feudaler und ein tolles Stadion - auch wenn wir sie leider nicht immer voll bekommen werden. Für unsere Gegner wird es natürlich eine große Motivation sein, uns dort zu schlagen. Aber bislang beschäftige ich mich kaum mit diesem Thema, denn was zählt ist die Gegenwart: der Kampf um den Aufstieg.


Stimmung, Stadion, Fankultur - Quo vadis, 1860?
Interview mit den Löwen-Fans Marco Mandica ("Cosa Nostra") und Manni Lorenz (100er-Block Gegengerade)
(Ausgabe Nr. 9, 1860 - Saarbrücken)

Marco, Manni: Ihr gehört zu Gruppen, die für Stimmung im Sechzger Stadion sorgen. Seit wann geht Ihr zu 1860 und wie kamen Eure Gruppen zustande?
Marco Mandica (M.): Ich war 1991 mit elf Jahren das erste mal im Stadion. Die "Cosa Nostra" gibt es seit 2001. Wir sind derzeit rund 80 junge Leute und wollen aktiv Stimmung machen, die Mannschaft nach vorne peitschen.
Manni Lorenz (L.): Ich war 1965 das erste mal bei 60. Bis 1995 bin ich immer ins Stadion gegangen, dann kam der Umzug ins Olympiastadion. Ich war gegen den Umzug, weil er für mich die Identität von 1860 gefährdet hat. Daher bin ich auch bis diesen Sommer nicht mehr zu den Heimspielen gegangen. Nach der Rückkehr ins Grünwalder fand sich eine Gruppe von rund 100 Leuten zusammen, die großteils eher selten oder nie ins Oly gegangen sind. Wir bestellten uns gemeinsam Dauerkarten für die Gegengerade, um von dort wie früher für Anfeuerung zu sorgen.

Wie zufrieden seid Ihr mit der Gegengeraden?
M.: Der 100er-Block ist gut, insgesamt kommt aber zu wenig.
L.: Das sehe ich genauso. Der Rest der Gegengerade macht leider nicht mehr so mit wie früher. Beim ersten Spiel hat uns sogar einer die Polizei auf den Hals gehetzt, weil er sich von den Anfeuerungsrufen gestört fühlte. Das fanden selbst die Polizisten überzogen.

Generell wird viel über die Stimmung bei 1860-Spielen geklagt. Bei Umfragen der Zeitschrift "Stadionwelt" unter deutschen Fans über die Atmosphäre in den Stadien landete 1860 in der Bundesliga-Saison 03/04 auf dem letzten Platz.
M.: Das ist leider das 60 von heute. Anstatt sich auf die Anfeuerung zu konzentrieren, wird untereinander gestritten. Wer bei der ARGE ein gutes Wort über die Cosa Nostra verliert, wird dort ausgegrenzt. Wir werden verteufelt, obwohl ohne uns kaum Nachwuchs-Fans gehalten werden könnten. Die Streiterein machen unsere Fanszene kaputt - und die Fanbeauftragte mischt dabei kräftig mit.

Viele "alte" Fans meinen, einen Einpeitscher mit Megaphon wie Marco hätte man früher auch nicht gebraucht. Siehst Du das ähnlich, Manni?
L.: Es stimmt: früher war kein Einpeitscher nötig. Aber damals waren wir Fans noch eine Einheit. Heute singt leider jede Gruppe für sich allein - oder gar nicht.

Wie seid Ihr mit der Rückkehr ins Sechzger zufrieden?
L.: Für mich ist der 100er-Block ein einmaliges Erlebnis. Es hat sich aber leider gezeigt, dass die 9 Jahre im Olympiastadion viel kaputt gemacht haben. Viele "richtige Fans" haben durch den Umzug 1995 mit dem Verein gebrochen und von den restlichen Zuschauer geht halt kaum Stimmung aus.
M.: Es freut mich, dass wieder viele "Alte" kommen, auch auswärts fahren wieder mehr Leute mit. Auch das Flair ist im Sechzger schöner: Du triffst dich in Giesing schon eine Stunde vor dem Spiel in einer Wirtschaft oder im Fanheim. Im Oly bist du 10 Minuten vor Anpfiff ins Stadion gekommen und danach gleich wieder heim gegangen. Und das Sechzger ist halt ein reines Fußballstadion, man ist viel näher am Geschehen.

Zu einem unerfreulicheren Thema: Ihr habt beide beim Spiel in Ahlen ein bundesweites Stadionverbot für die nächsten 3 Jahre erhalten.
L.: Ja, weil wir angeblich eine bengalische Fackel gezündet haben sollen. Als Beweis sollte ein Video der Polizei dienen, auf dem man aber sieht, dass wir nichts gemacht haben.
M.: Mir kommt es bald so vor, als ob jeder Terrorist mehr Rechte genießt als ein Fußball-Fan. Mittlerweile wurde das Strafverfolgungsverfahren gegen uns zwar eingestellt, die Ahlener Polizei will aber das Stadionverbot aufrecht erhalten. Wir hoffen nun, dass sich 1860 für uns einsetzt, damit auch dieser Schritt rückgängig gemacht wird.

Das heißt, man wird "Megaphon-Mann" Marco auch zukünftig nicht mehr hören?
M.: Vorerst nicht. Ich habe unseren Jungs von der Cosa Nostra aber schon im Winter gesagt, sie sollen auch ohne Megaphon ihr bestes für 60 geben.

Im Sommer steht der Umzug in die Allianz-Arena an. Bleibt Euer Stadionverbot bestehen, fehlen schon mal zwei Stimmungsmacher. Wie seht Ihr generell den Umzug?
M.: Ich würde hingehen - schließlich ist 60 ein unauslöschbarer Teil meines Lebens. Natürlich wäre mir das Grünwalder lieber, es ist unser Wohnzimmer. Und wenn ich es mit anderen Zweitligastadien vergleiche, ist es regelrecht modern. Das neue Stadion ist von der Bauweise sicher nicht schlecht. Es werden aber viele Zuschauer kommen, die mit Fußball bisher wenig am Hut hatten. Die werden kommen, weil es gerade Mode ist und nichts zur Stimmung beitragen.
L.: Ich bleibe zwar weiterhin Fan und Mitglied von 1860. Für mich war aber von jeher klar, dass ich keinen Fuß in dieses Bayern-Stadion setzen werde. Und das gleiche gilt auch für die meisten anderen Leute aus unserem 100er-Block.

Stimmung von den Sitzplätzen darf man damit wohl nicht mehr erwarten. Wie seht Ihr dann die Zukunft der Löwen?
L.: Zur Zeit läuft es natürlich super. Und durch den Einstieg des Vermarkters IMG sind wir erst mal die gröbsten finanziellen Sorgen los. Langfristig sehe ich aber durch den IMG-Vertrag und die neue Arena eine weitere Kommerzialisierung unseres TSV 1860 kommen. Das in den letzten Jahren entstandene Bild vom "FC Bayern light" wird sich dadurch verstärken. Adalbert Wetzel würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste was aus seinem TSV 1860 geworden ist.
M.: Manni hat recht. Und das schlimme ist: Es gibt überhaupt kein richtiges Konzept für eine eigenständige Zukunft.